„Wenn Software für Menschen mit und ohne Behinderung zur Nebensache wird. Wenn alle die gleiche Sprache sprechen und sich alle gegenseitig verstehen. Der eine hört, der eine sieht, der andere nutzt nur die Tastatur, dennoch sprechen alle über das Gleiche.“
– Detlef Girke, BITV-Consult

In Deutschland müssen der öffentliche Sektor oder die Softwarehersteller des öffentlichen Sektors ihre Anwendungen und auch das Webangebot auf Barrierefreiheit prüfen und zertifizieren lassen. Mit dem spätestens im Jahre 2025 in deutsches Recht verabschiedeten European Accessibility Act (EAA) werden weitere Services wie Bankdienstleistungen und E-Commerce auch dazu verpflichtet.

Aber warum wollen Sie noch warten? Jeder kann und darf seine Anwendung auf Barrierefreiheit prüfen und zertifizieren lassen – und dafür gibt es sehr viele gute Gründe:

  • 9 % der Gesamtbevölkerung, rund 7,3 Millionen Menschen in Deutschland, sind schwerbehindert und in den meisten Fällen auf barrierefreie IT-Anwendungen angewiesen.
  • 4 % der Gesamtbevölkerung, fast 4 Millionen Menschen, haben einen internationalen Hintergrund; auch diese profitieren stark von barrierefreier Informationstechnik – als Mensch, als Verbraucher oder als Ihr Kunde.
  • 28 % der Gesamtbevölkerung gehören zu den sogenannten „Silver-Surfern“ bzw. „60plus“ – auch diese Menschen profitieren stark von barrierefreien IT-Anwendungen.

Aufgrund des demografischen Wandels bilden alle diese Menschen eine immer größere Nutzer- und Zielgruppe. Für die Zertifizierung auf digitale Barrierefreiheit gibt es ein Siegel und das bringt viele Vorteile mit sich, auf die wir hier jetzt aber nicht weiter eingehen.

TÜV-Beispiel

Je nach Standardprüfverfahren gibt es in Deutschland zwei Siegel (BIT inklusiv oder BIK BITV Tests). Diese Siegel sind für verschiedene Arten der Anwendungen – vergleichbar mit einem TÜV- oder DEKRA-Siegel* für LKW und PKW (Software oder Webseite). Doch der Weg zum Siegel kann aufgrund von falschen Entscheidungen unnötig viel Geld kosten. Das verdeutlichen wir an einem Beispiel aus dem Leben:

Auf dem Weg zum TÜV/DEKRA*-Siegel Auf dem Weg zum BITV-Siegel
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder sein eigenes Auto bauen darf, wie er möchte. Sie bauen also Ihr eigenes Auto. Jeder baut Software selbst, nach bestem Wissen und Gewissen. Keiner baut Barrieren absichtlich ein.
Ist der Eigenbau Ihres Fahrzeuges abgeschlossen, möchten Sie damit nun auch fahren. Die Software wird veröffentlicht, es gibt einen „Release-Kandidaten“. Eine erste Version soll bald ausgerollt werden.
Verschiedene TÜV/DEKRA*-Stellen bieten Ihnen die technische Prüfung und das Siegel an. Sie helfen dabei, Ihr Fahrzeug zuzulassen. Sie suchen sich offizielle Prüfstellen aus, um Ihre Software auf Barrierefreiheit zu zertifizieren.
Der Preis für eine Einzelabnahme nach § 21 StVZO variiert in dieser Welt stark. Es gibt viele verschiedene Stellen und Beratungen mit unterschiedlichen Preisen. Der Autobau war schon teuer, Sie nehmen eines der günstigeren Angebote. Es gibt unterschiedliche Prüfstellen und Kompetenzzentren für digitale Barrierefreiheit. Barrierefreiheit war nicht im Budget eingeplant. Sie versuchen, einen guten Preis auszumachen.
Sie entscheiden sich beispielsweise für eine TÜV-Stelle und lassen eine Prüfung durchführen. Sie beauftragen eine Prüfung.
Das Ergebnis steht fest: Sie sind durchgefallen.

Sie haben den Auspuff falsch platziert – Kinder können sich beim Spielen daran verbrennen und verletzen. Dabei sind solche Anbauten am Fahrzeug klar geregelt: § 30 und § 30c StVZO. Sie haben die gesetzlich vorgeschriebene Maximalbreite von 2,50 m (§ 32 Absatz 1 Nummer 5 StVZO) überschritten.

Schlussendlich kam zudem heraus, dass Sie das Hubvolumen Ihrer Kolben falsch berechnet haben, da es einen Kolbenüberstand im oberen Totpunkt gibt. Dass es funktioniert, war Zufall, da die Motorarchitektur ein „Freiläufer“ ist. Eine technisch starke Prüfstelle kann Ihnen sogar mitteilen, dass der Überstand maximal 0,04 mm haben darf; der Wert bei Ihnen aber lediglich bei 0,2 mm. Dies kann leider dazu führen, dass es bei Ihnen zu erhöhten C02-Werten unter Volllast kommt.

Die Ergebnisse Ihrer Webanwendung stehen fest: Sie sind nicht BITV-konform.

Der Prüfschritt der „Robustheit“ schlägt fehl, die Anwendung folgt nicht dem W3C-Standard. Der W3C hat Web-Techniken standardisiert und diesen ist zu folgen, damit assistive Systeme und andere Benutzeragenten auf die Inhalte zugreifen können. Sie haben die WCAG 2.0 Level AA Standards nicht eingehalten, Kontraste von Schriften sind zu niedrig, Überschriften haben für sehbehinderte Nutzer keine logische Reihenfolge.

Schlussendlich kommt zudem heraus, dass Ihr Angebot für Screenreader nicht gut zugänglich ist. Auch, wenn blinde Nutzer nicht die Zielgruppe sind. Die Nutzung von komplexen Datentabellen sowie der Einsatz von WAI-ARIA-Techniken ist inkonsistent oder nicht gegeben, wie der Standard es vorschreibt. Eine technisch starke Prüfstelle kann Ihnen sogar mitteilen, dass das scope=“rowgroup“ bei der Datentabelle nicht korrekt markiert wurde. Dies würde dann dazu führen, dass die Kopfzelle der Tabelle innerhalb des Bereichs liegt und so markiert wird. Auch wenn einiges per Zufall schon funktioniert hat, ist es nicht korrekt implementiert.

Sie erhalten das Ergebnis in Form eines Prüfberichtes und dürfen wieder heimfahren. Der Prüfbericht wird Ihnen übermittelt.
Leider sind Sie nicht gut in hoher Mathematik und können das Neuauslegen und die erneute Berechnung des optimalen Zündwinkels bei Drehzahl und Last nicht für die neuen Bedingungen berechnen. Und selbst wenn: Wer soll das neue Steuergerät dafür liefern? Ihnen fehlen auch Tabellenbücher und Orientierungspunkte. Sie fahren zu einer Werkstatt. Sie übergeben den Prüfbericht der Entwicklung. Nach bestem Wissen und Gewissen werden die Mängel behoben. Es wird versucht zu interpretieren und zu biegen. Wo es nicht funktioniert, wird Google zurate gezogen.
Sie fahren erneut zur Prüfstelle.
Gleicher Preis, neue Prüfung.
Es wird ein neuer Konformitätstest durchgeführt.
Sie fallen durch. Sie fallen durch.
Es gab nur einen Auspuff, der unter das Fahrgestell passte, um die geforderten Kriterien zu erfüllen. Keiner hat darauf geachtet, wie laut der neue Auspuff ist. Einige Prüfschritte konnten aufgrund der technischen Basis mit dem das Webangebot erstellt wurde, nicht so umgesetzt werden, wie im Prüfbericht vorgeschlagen. So wurde an einigen Stellen ein „Workaround“ gewählt.

Das „günstigste“ Angebot einer Prüfung ist nicht immer das Richtige. Gute Beratung, qualitative und technisch starke Handlungsempfehlungen möglichst ohne Interpretationsspielraum von professionellen und anerkannten Prüfstellen sparen viel Geld auf der teuren Entwicklungsseite – ob beim KFZ oder bei Ihren IT-Anwendungen. Da wir bei QuinScape als IT-Dienstleister Technik in unserer DNA haben, können wir auch „von Technikern für Techniker“ verständliche Handlungsempfehlungen geben. In einer Vorprüfung tauschen wir auch mal Quelltexte anstatt lange Berichte aus. Weil es für alle so einfacher ist.

QuinScape ist vergleichbar mit einer TÜV*-Prüfungsstelle für LKW und PKW mit angebauter Werkstatt mit Profis und einer mietbaren DO-IT-Yourself-Werkstatt. Wir helfen Kunden bei der Umsetzung oder „schauen immer mal in der DO-IT-Yourself-Werkstatt vorbei“. Es geht darum, die Kunden nicht sofort in die Prüfung zu schicken. Es geht darum, das Projekt effektiv auf die Straße zu bringen. Und dies geht nur mit guter Beratung vorher: Health-Checks, Live-Checks („Wir gehen mal nach hinten in die Werkstatt und schauen uns erstmal an, was Sie da gebaut haben“). Anschließend machen wir eine Vorprüfung („Inspektion“) und wenn alles in Ordnung ist, machen wir erst die (teure) TÜV*-Prüfung. Der Weg ist hier das Ziel: Die Zertifizierung und der BITV-Test stehen am Ende eines Prozesses oder Vorgehens. Sich über viele Tests zur digitalen Barrierefreiheit und damit zum Siegel führen zu lassen, ist nicht in jedem Fall zielführend.

Veränderung: Wie geht es weiter?

Es wird eine Zeit kommen, in der Sie womöglich einen sparsameren Motor einbauen möchten – vielleicht sogar ein Elektroauto wollen? Kein Problem!

Es wäre aus unserer Sicht falsch, Sie erneut „werkeln“ zu lassen und anschließend wieder durch eine Prüfung zu schicken. Sie kommen mit den Bauplänen zu uns, wir sehen uns diese gemeinsam an. Sie bauen den ersten Grundrahmen, wir sehen uns das gemeinsam an, empfehlen in dieser frühen Phase Änderungen – falls erforderlich. Wir packen auch mit an. Wir empfehlen immer, einen TÜV*-Berater stellenweise zu konsultieren. Jeder, der selbst ein Auto neu aufbaut oder restauriert, tut dies im realen Leben auch: Frühzeitig werden gemeinsam Leitplanken gesetzt.

Schluss mit den Metaphern: Wie wird Barrierefreiheit schrittweise umgesetzt?

QuinScape testet, berät, prüft, schult und implementiert als offiziell anerkannte Prüfstelle für digitale Barrierefreiheit. Als Prüfstelle für BITV-Tests und Mitglied im Expertengremium des „BIT inklusiv“ beraten wir zudem bei der Entwicklung von neuen Standardprüfverfahren. Außerdem stehen wir als IT-Dienstleister und vierfacher „Goldpartner“ von Intrexx sowohl Unternehmen als auch öffentlichen Institutionen seit über zehn Jahren als kompetenter Partner in barrierefreier Informationstechnik zur Seite.
Die jetzt beschriebene Vorgehensweise zeigt, wie Schritt für Schritt Barrieren abgebaut werden können. Jeder Einzelschritt bringt bereits Verbesserungen!

  1. Schulungen und Workshops
    Sensibilisierung und Beratung von Verantwortlichen, politischen Vertretern, Entwicklern, IT-Dienstleistern und Partnern.
  2. Entwicklungsbegleitender Test
    Ein BITV-Prüfer führt einen Test durch und stellt dessen Ergebnisse in Form eines Prüfreports mit Handlungsempfehlungen bereit.
  3. Beratung während der Entwicklung (vor oder nach dem ersten Test)
    Während der Entwicklung werden Fragen beantwortet, Lösungen werden gemeinsam gefunden und können schnell umgesetzt werden.
  4. Abschließender Test mit Prüfreport
    Ein sogenannter Delta-Test oder abschließender Test, bei dessen erfolgreichem Abschluss der Prüfgegenstand ein Siegel erhält, mit dem Barrierefreiheit offiziell bestätigt wird.
  5. Zertifizierung und Siegel ggf. Barrierefreiheitserklärung
    Der Prüfreport des abschließenden Tests kann zusammen mit der Barrierefreiheitserklärung (optimiert für Ihr Bundesland) veröffentlicht werden.
  6. Hypercare
    Wir unterstützen Sie gerne in der Neu- oder Weiterentwicklung von Features, Teilnahme oder Erstellung von Ausschreibungen.

Sprechen Sie uns an: barrierefreiheit@quinscape.de

* In Deutschland gibt es viele Gesellschaften, die technische Einrichtungen prüfen (z. B. DEKRA, GTÜ). Die Nennung des Technischen Überwachungsvereins und der DEKRA dienen lediglich der Veranschaulichung.
 


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